Suche
  • Michi

Yoga am Morgen

Morgenroutinen sind ja so ein Thema, findet Ihr auch? Was ist dran an morgendlichen Yogaeinheiten, Smoothies, Meditationen, Duft- oder Reinigungsritualen? Social Hype oder hilfreicher Ansatz?


Ich war ja die meiste Zeit meines bisherigen Lebens und erst recht in den letzten Jahren die 'Queen of wake-up and ready-to-go'. Heißt Augen auf und schon voll im Rödelmodus, ToDo-Listen erstellen, Mails checken, Nachrichten versenden, Notizen machen und da war ich noch gar nicht aus dem Bett draußen. Fragt mich mal, was ich schon gemacht habe bis ich im Bad angekommen bin … Tut das gut? Tut das not? Nein, und das weiß ich auch, aber das heißt ja nicht, dass ich es deshalb auch ändere oder besser mache.


Ich finde das cool, wenn ich andere sehe, die bereits bei Sonnenaufgang irgendwo durch Wälder laufen oder barfuß auf der Wiese voller Morgentau den Sonnengruß machen, die ihren Tag mit Ingwer-/Zitronenwasser oder ähnlichem starten, meditieren, ein besonderes Pflegeprogramm absolvieren und es dann eben auch noch in nicen Fotos auf Insta präsentieren. Sind das die besseren Menschen? Nein, aber darum geht es für mich auch nicht. Ich habe nur festgestellt, dass ich bspw. im Urlaub durchaus zu denen gehöre, die schon früh am Meer joggen gehen und es genießen, wenn die ersten Sonnenstrahlen dieses magische Glitzern aufs Wasser zaubern. Aber Zuhause? Da holen mich der Alltag und meine Gewohnheiten ein – und davon abgesehen, ist hier ja auch nicht das Meer. So!


Als ich an meinem Tiefpunkt im letzten Jahr angekommen bin, habe ich aber gemerkt, dass dieses ‚Augen auf und direkt ins Karussell springen‘, eine ganz schlechte Idee ist und ich auch gar nicht mehr die Kraft dafür habe. Ich musste erst einmal schlafen, ganz viel schlafen. Der zweite Schritt war, mir mal wieder bewusst zu machen, was Achtsamkeit, was im Hier und Jetzt für mich selbst bedeutet. Jetzt sagt nicht, aber du bist doch Coach, du weißt das doch und unterstützt auch andere darin! Ja, aber machen wir uns nichts vor: Auch ein Coach ist ein Mensch und ich zumindest bin weiß Gott nicht unfehlbar. Für mich gilt wie für alle Menschen, die sich in Therapie begeben oder ein Coaching in Anspruch nehmen: erst wenn es in deinem Kopf durch dich selbst Klick macht und du es auch emotional begreifst und verinnerlichst, wird sich was ändern.

Achtsamer Umgang mit mir selbst, ist mir tatsächlich völlig abhandengekommen. Das war keine schöne, aber durchaus hilfreiche Erkenntnis, die mir verdeutlicht hat, dass ich wirklich etwas ändern muss. Es hat damit angefangen, dass ich darauf geachtet habe, mal wirklich nur eine Sache zu tun und nicht schon im Bett das Hamsterrad in Schwung zu bringen, sondern erst einmal aufzuwachen, wirklich aufzuwachen, ganz gemütlich und bewusst. Bewusst aufzustehen und mich nur auf den Moment einzulassen, nicht beim Zähneputzen schon die übernächsten 17 Schritte des Tages zu planen und am besten nebenbei noch mit links versuchen, auf dem Handy zu tippen. Kennen das noch andere?


Morgenroutine als Wundermittel?

Ich habe experimentiert und festgestellt, dass mir warmes Wasser mit etwas Zitrone vor dem Kaffee tatsächlich guttut und auch wenn ich es ungern zugebe, auch weniger Kaffee besser ist. Ich habe Zeit für mich eingeplant, mich nochmal ins Bett gesetzt, gelesen, meine Gedanken schweifen lassen, mich gemütlich dem Tag genähert, meinen Kaffee bewusst genossen. Unabhängig von guten Vorsätzen habe ich im Januar direkt mit einer 30 Tage Yoga Challenge von Mady Morrison gestartet und es tat mir gut; körperlich wie mental. Es hat mich zur Ruhe kommen lassen, mich geerdet, mir meinen Körper wieder bewusster gemacht, mir Klarheit verschafft und mich immer wieder auf gute Weise gemahnt im Augenblick zu bleiben.

Yoga am Morgen also das Wundermittel? Ich glaube nicht an Allheil- oder Wundermittel, aber für mich war es in dieser Zeit perfekt, weil es mir einen Rahmen gegeben hat, den ich dringend gebraucht habe. Es war ein neues Ritual und ein Versprechen an mich, dass ich mir die Zeit nehme und mir Gutes tue. Es hat mich gestärkt in den Tag gehen lassen, dazu beigetragen, dass ich das Gefühl hatte, endlich wieder durchatmen zu können, Luft zu bekommen und zu wissen, dass ich den Anforderungen gewappnet gegenübertreten kann.

Es war meine Stütze, mit der ich gelernt habe, wieder aufrecht zu stehen. Bis in den April hinein, gab es keinen Tag ohne Yoga. Dazu kamen weitere Rituale, Anker, neue Gewohnheiten, die aber alle eint, dass sie mir dienlich waren bzw. sind und das ist die Essenz: Es geht nicht darum, dass man Morgenrituale haben muss, weil das cool ist und gut klingt, dass man sich einen green smoothie einverleibt, auch wenn man es widerlich findet, dass man bei Sonnenaufgang durch Felder joggt, weil es instaready echt fancy wirkt, man sich aber den Allerwertesten abfriert und danach ob des verfrühten Aufstehens den ganzen Tag durchhängt…


Gelobt sei, was hilft

Es geht darum, etwas zu finden, was für euch hilfreich und nützlich ist. Für mich ist es tatsächlich ein langsamerer Start in den Tag, nicht zwingend täglich, aber doch regelmäßig mehrmals die Woche noch immer eine Yogaeinheit oder eine Joggingrunde am Morgen und ein bewusster, erster Kaffee. Dabei kommt zur Achtsamkeit mehr Großzügigkeit und Geduld mit mir selbst: Ich mache mehr wonach mir ist, nicht was fancy klingt oder gute Vorsätze diktieren. Und wenn es an manchen Tagen morgens doch mal wieder hektisch ist, dann ist das auch in Ordnung, denn morgen kommt eine neue Chance, gut mit mir und für mich zu starten …

In diesem Sinne wünsche ich euch heute einen guten Start und vielleicht berichtet ihr ja, wie ihr so in den Tag startet…


Bis dahin habt es fein, bleibt gesund und voller Vertrauen – Rock 'n' Roll & Ommm Michi



61 Ansichten2 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen