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  • Michi

Hier geht es nicht um Glück ...

In der letzten Zeit ist mir wieder häufiger die Äußerung begegnet, dass „XY aber auch echt (immer) Glück hat“. Ein Satz, den ich schon lange schwierig finde und immer wieder mit anderen diskutiere.

Gerade hat mir eine Freundin dazu einen Spruch geschickt, der es gut zusammenfasst. Sinngemäß kann man es so ausdrücken: Wenn Menschen sagen, jemand hat so ein Glück, sehen sie meist nicht die harte Arbeit, die dahintersteht, die langen Stunden, die arbeitsreichen Wochenenden, die Selbstzweifel, das persönliche Wachstum, die gemeisterten Herausforderungen, die gescheiterten Versuche und das Nichtaufgeben. Glück ist da irgendwie nicht dabei…


Glück und Glück sind ja zweierlei, was man sich erst einmal bewusst machen sollte. Wenn wir von Glück sprechen, meinen wir meist das Zufallsglück, also das, was wir auch als Zufall oder Fügung bezeichnen, ein günstiger Verlauf von etwas, das wir nicht beeinflussen können.

Häufig verwenden wir diese Bedeutung aber, wenn jemand Erfolg hat oder etwas gut für uns oder andere läuft. Aber das hat wie oben geschrieben, eigentlich doch recht wenig mit Glück zu tun, mehr mit Erfahrung, mit Können, mit Leistung, mit Engagement, Leidenschaft, Hartnäckigkeit …

Das ist dem Phänomen ähnlich, wenn Dinge (vermeintlich) leicht sind bzw. jemandem leicht von der Hand gehen. Auch da wird der Eindruck erweckt, die Kompetenz sei weniger wert, weil es ja so leicht ist … 'Leicht' ist es jedoch, weil es so oft geübt wurde, weil sich jemand damit auskennt oder auch weil jemand talentiert ist – das alles macht es aber nicht weniger wertvoll!


Mit dem Label 'Glück gehabt' minimieren wir diese Erfolge, reden das Dahinter klein und wahlweise uns oder andere. Wenn wir Dinge nur durch Glück erreichen, was sagt das über unsere Selbstwirksamkeit aus? Ich möchte schon daran glauben, dass wir selbst etwas bewirken können, ich habe Vertrauen in Stärken und Fähigkeiten und bin überzeugt, dass wir (zumindest bis zu einem gewissen Grad) die äußeren Umstände beeinflussen können und nicht einfach dem 'Glück ausgeliefert' sind. Entsprechend habe ich auch Respekt vor den Leistungen anderer.


Dazu kommt, dass es neben dem ‚Glückhaben‘ ja noch das ‚Glücklichsein‘ gibt. Wenn wir davon sprechen, Glück zu haben, sollten wir auch über das Glücklichsein sprechen. Glück ist subjektiv und ist die Bewertung unseres Wohlbefindens. Dabei ist Glück aktiv, d.h. man kann etwas dafür tun, dieses Wohlgefühl zu spüren. Wir entscheiden subjektiv, was für uns Glück ausmacht und was uns glücklich macht, denn Glück liegt im Auge des Betrachters. Dafür braucht es ein Bewusstsein und Dankbarkeit – nur so erkennen wir unser Glück.

Ich finde es klasse, wenn wir unsere Glücksmomente bewusst genießen und leben – und ich finde es ebenso klasse wie wichtig, dass wir unsere Erfolge und die anderer würdigen und feiern als das, was sie sind: die Summe vieler Schritte, die uns an diesen Punkt gebracht haben.

Wenn wir an diesem Punkt glücklich sind, dann ist das ein großes Glück!


In diesem Sinne habt es fein, bleibt gesund und voller Vertrauen – Rock 'n' Roll & Ommm Michi


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